ANÄSTHETIKA

Anästhesie bei der Entfernung von Weisheitszähnen

Für die Entfernung der oberen Weisheitszähne wird vestibulär sowie palatinal am Foramen palatinum majus anästhesiert. Für die Entfernung der unteren Weisheitszähne wird durch eine Leitungsanästhesie am Foramen mandibulae sowie vestibulär der N. buccalis betäubt.

Lokalanästhetika

Pharmakologie
  • Lokalanästhetika hemmen die Reizweiterleitung durch eine reversible Blockade der spannungsabhängigen Natriumkanäle bzw. durch Konformationsänderung der Natriumkanäle.
  • Sie verhindern den schnellen Natriumeinstrom. Dadurch bleibt die Depolarisation aus und das Aktionspotential wird nicht ausgelöst. Somit unterbleibt die Reizweiterleitung.
  • Die maximale Wirkung ist bei Absättigung aller Bindungsstellen erreicht.
  • Lokalanästhetika sind vasodilatatorisch! Dadurch erhöht sich der Blutfluss im anästhesierten Bereich. Es kommt zu einer verkürzten und verringerten lokalen Wirkung sowie einem vermehrten Abtransport des Lokalanästhetikums. Des Weiteren erhöht sich die systemische Wirkung.
     
Aufbau der Lokalanästhetika:

Prinzipiell unterscheidet man anhand der chemischen Struktur Lokalanästhetika vom Estertyp und vom Amidtyp. Esterbindungen werden über plasmatische Pseudocholinesterasen abgebaut, Amidbindungen über hepatische Decarboxylierung. Die terminale Ausscheidung aller Lokalanästhetika sowie ihrer Metabolite erfolgt über die Niere.
 

Wirkstoffe

Articain: Articain hat in Deutschland einen Marktanteil von ca. 94 % und ist in Europa das am häufigsten verwendete Lokalanästhetikum. Es nimmt eine Sonderstellung ein, da es in seiner Struktur sowohl eine Esterbindung als auch eine Amidbindung aufweist.
 

Lokalanästhetika

Ultracain D - ohne Adrenalin: 1 ml Injektionslösung enthält 40 mg Articainhydrochlorid.

Dosierung: Erwachsene können im Laufe einer Behandlung bis zu 4 mg Ultracain (Articain) pro kg Körpergewicht erhalten (1 ml = 40 mg, 70 kg * 4 mg = 280 mg, entspricht ca. 7 ml). Ultracain D wird eingesetzt, wenn der Zusatz von Adrenalin nicht erforderlich oder unerwünscht ist.

Ultracain D-S 1:200000: UDS enthält das Lokalanästhetikum Articain sowie Epinephrin (1 ml Injektionslösung enthält 40 mg Articainhydrochlorid, 0,006 mg Epinephrinhydrochlorid).
Dosierung: Erwachsene können im Laufe einer Behandlung bis zu 7 mg Ultracain (Articain) pro kg Körpergewicht erhalten (1 ml = 40 mg, 70 kg * 7 mg = 490 mg, entspricht ca. 12,5 ml).
Ultracain D-S-forte 1:100000: 1 ml Injektionslösung enthält 40 mg Articainhydrochlorid und 0,012 mg Epinephrinhydrochlorid.

Dosierung: Erwachsene können im Laufe einer Behandlung bis zu 7 mg Ultracain (Articain) pro kg Körpergewicht erhalten (1 ml = 40 mg, 70 kg * 7 mg = 490 mg, entspricht ca. 12,5 ml). Anästhesiedauer länger als bei UDS (ca. 75 min); geeignet für Langzeiteingriffe.

Meaverin 1 ml: enthält 30 mg Mepivacainhydrochlorid (Amidtyp)
Maximaldosis: 6 ml (180 mg Mepivacainhydrochlorid)
Anästhesiedauer: 60–180 min

Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Lokalanästhetika vom Amidtyp, akute dekompensierte Herzinsuffizienz, schwere Störungen des Reizbildungs- und Reizleitungssystems, schwere Hypotonie, kardiogener und hypovolämischer Schock
 

Zusätze

Zusatz von Vasokonstriktoren: Aufgrund der vasodilatatorischen Wirkung der lokalen Betäubungsmittel werden Vasokonstriktoren wie Katecholamine (Adrenalin) bzw. Vasopressinderivate (Felypressin) zugegeben.

Wichtig ist es, die Kontraindikationen für diese Vasokonstriktoren zu beachten!

Adrenalin:

Absolute Kontraindikationen:

  • Phäochromozytom
  • Hyperthyreoidismus
  • Tachyarrhythmie
  • akute dekompensierte Herzinsuffizienz
  • AV-Block II. und III. Grades
  • schwere Hypotonie
  • Sulfitunverträglichkeit

Relative Kontraindikationen:

  • Hypertonie
  • Angina pectoris
  • Herzinsuffizienz
  • Diabetes mellitus
  • Asthma
  • Glaukom
  • Schwangerschaft

Felypressin:

Absolute Kontraindikation:

  • Schwangerschaft (Einsatz in der Geburtshilfe zum Auslösen der Wehentätigkeit) 
  • Komplikationen